Horrortrip Waschsalon

Ab und zu sollte man Federbetten ja mal waschen.

Problem:
In der Reinigung kostet das pro Stück 18€ und ich verdiene nun nicht grad viel Geld.

Lösung?
Der Waschsalon in Duisburg wirbt auf seiner Seite:

Waschen in familiärer Atmosphäre?
In den SB-Waschsalons ist dies die reinste Freude!

Bei uns werden Sie nicht in neonlicht-kalten Räumen empfangen. Durch warme Farben, Bilder an den Wänden, Musik im Hintergrund, heiße und kalte Getränke, modernste Technik und Sauberkeit finden Sie bei uns eine freundliche Stätte des Vollwaschgangs.

Außerdem wirbt man im Schaufenster mit “großen Maschinen für Gardinen, Vorzelte, Bettdecken…” – Na, dann kauf ich mir doch Waschmittel für Daunen und gehe in den Waschsalon.
Beide Betten waschen: 40 Minuten / 9€
1-2 mal durch den großen Trockner jagen: max. 30 Minuten / 3€
Mit einer guten Stunde Aufwand würde ich also 26€ sparen.

So der Plan. Hier nun, was wirklich geschehen ist.

Mein erster, optischer Eindruck:
Ein großer, ungepflegter Raum mit schmutzigen Fliesen, kaputten, speckig-grauen Tapeten, Neonröhren und kaputten Jalousien, 2 billige Bilder und Werbung an der Wand, keine Musik, dafür aber ein altersschwacher Deckenventilator, der gegen die stickige Luft nichts auszurichten vermag. Getränke? Fehlanzeige.

Na gut, ich will ja nur waschen. Also meine Bettdecken in eine der großen Maschinen stopfen, waschen, danach ein- oder zweimal durch einen großen Trockner laufen lassen. Kostenpunkt 12€, Zeit – na, rechnen wir mal großzügig mit 90 Minuten.

Als erstes stelle ich fest: „Große Maschinen“ bedeutet genau EINE große Waschmaschine und EIN großer Trockner. Die Waschmaschine ist gerade besetzt, ich muss also 40 Minuten warten, denn es ist sehr voll und ich will meinen Platz in der Schlange nicht aufgeben.

Zu Anfang dachte ich ja, dass die Frau, die gleichzeitig ca. 8 Maschinen bedient, mir eine leere zuweisen will und die ganze Zeit hektisch durch die Gegend rennt, hier arbeitet. Und ihre zwei Kinder dabei hat. Und ihren Mann, der alles, was sie mir versucht zu sagen, übersetzt, und darüber hinaus ALLES was ich tue, kommentiert (“Sie haben vergessen Waschmittel!” – “Äh, nee, ich hab mein eigenes” – “Ach so? Muss ja jeder selber wissen.”)
Aber nach einiger Zeit zieht die Familie einfach ab…

Schließlich ist die große Waschmaschine frei, ich bezahle 9€ und gebe mein Daunenwaschmittel hinzu. Das Fach für das Waschpulver ist allerdings völlig verdreckt und verkrustet mit Waschmittelresten und undefinierbaren anderen Rückständen. Es steht zu hoffen, dass sich das nicht auf meine Wäsche auswirkt.

"Leeres" Waschmittelfach

Beim Eingießen des Waschpulvers tropft etwas Waschmittel  auf meine Hand. Ein Waschbecken oder Papierhandtücher suche ich allerdings vergeblich.

Nachdem die Wäsche fertig ist, stelle ich fest, dass sie leider noch tropfnass ist – ausgerechnet die einzige große Waschmaschine schafft im Schleudergang nur  600 Umdrehungen pro Minute…

Nagut, auf der Preisliste steht ja, dass einmal extra-Schleudern für 50 Cent zu haben ist.

Ich stopfe also die Decken in eine der kleinen Maschinen mit 1200 U/Min., werfe 50 Cent ein, wähle die Maschine aus, wähle an der Maschine Programm „E“ für Extra-Schleudern und versuche zu starten.
Es tut sich nichts.

Von einem anderen Kunden werde ich aufgeklärt, dass ich die extra Schleuderzeit schon vor dem Start hätte auswählen müssen, sie würde dann an das normale Waschprogramm angehängt. Das hätte ich mal vor der Wahl der Maschine wissen müssen… Najut. Ich drücke den Geldrückgabeknopf – bekomme aber kein Geld zurück. Es wird mir auch kein Guthaben mehr angezeigt.

Mein Geld ist futsch.
Jaja, das waren nur 50 cent, aber wir erinnern uns – ich bin ja hier weil ich Geld sparen wollte….

Jetzt habe ich also die Wahl, noch einmal zahlen für eine Maschine, in die meine beiden Bettdecken bequem passen, um nur mit 600 U/Min schleudern zu können, oder die Bettdecken in kleine Maschinen reinquetschen, die 1200 schaffen – in beiden Fällen muss ich noch mal einen kompletten Waschgang durchlaufen lassen. Das dauert, mit zusätzlicher Schleuderzeit und der Wartezeit, bis zwei der leistungsstärkeren Maschinen frei sind, noch einmal 60 Minuten und 9€.

Schließlich ist auch der aktuelle Waschgang durchgelaufen. Als ich die Decken aus der Maschine hole, riechen sie unangenehm muffig und nach Pilzen. Mittlerweile stinkt auch der Waschsalon, außer nach Schweiß und Trocknerluft, nach den mitgebrachten Speisen und den großen Hunden anderer Kunden.

Glücklicherweise ist der große Trockner frei und nach drei Durchgängen sind meine müffelnden Decken einigermaßen trocken und ich kann zusammen packen. Zuhause stelle ich dann fest, dass die Decken nur im trocknerwarmen Zustand trocken gewirkt haben. Jetzt sind sie feucht-klamm und stinken.

Insgesamt hat mich dieser Besuch im „großzügigen Salon mit familiärer Atmosphäre“ nun also 23€ und über 3 Stunden gekostet. Die Decken hängen auf dem Trockenboden, großzügig mit Febreze eingesprüht.

Das nächste Mal wasche und schleudere ich zuhause und suche mir zum Trocknen einen anderen Waschsalon.
Irgendwelche Tipps?

(Eigentlich wollten wir ja heute abend in’s Kino, aber das Waschsalon-Ergebnis hat mich so dermaßen aggressiv gemacht, dass ich wahrscheinlich jeden, der mit ner Popcorntüte raschelt, krankenhausreif geschlagen.
Den kompletten gestrigen Tag hab ich übrigens damit verbracht, herauszufinden, was zur Hölle mit meinem Laptop nicht in Ordnung ist.)

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